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Last updateWed, 10 Feb 2016 12am

Empathie und Mitleid

Es ist tief in uns verwurzelt und widerfährt uns so ungeplant wie Angstgefühle. Ohne Mitgefühl gäbe es keine keine Opferbereitschaft untereinander. Ein ungerührter Mensch wird größtenteils als unliebenswürdig empfunden. Wir selbst möchten durchaus mitnichten diese Emotion in anderen erregen.

Denn Bedauern hat eine Schattenseite. Einmal im Jahr zelebrieren Kinder St. Martin, welcher mit seinem Ross durch die Winterlandschaft reitet und von einem zerlumpten Armen am Weg um Unterstützung anfleht wird. Der gute Mann reflektier nicht lange, zerschlitzt seinen warmen Überhang mit dem Schwert und gibt die eine Hälfte dem Habenichts.

Die entgegenkommende Geste trägt ihm bis zum heutigen Tag Anerkennung ein – und den Kindern Schleckerei. Variationen von Empathie sind die Münzen, welche unsereiner in die Kopfbedeckung eines Bettlers fallen lassen, oder die Zuwendungsüberweisungen für Hilfsprojekte.

Das tätige Mitgefühl hat nicht nur im Christentum eine langwährend Überlieferung, statt dessen ist sie in allen Religionen determiniert. Tatsächlich ist es ein sehr altes, tief verwurzeltes erbliches Programm, das offenbar bereits den Steinzeitmenschen das Überdauern der eigenen Art absichern sollte.

Gerät ein Mensch des eigenen Geschlechts in eine gefährliche Notlage, lärmen ferner bei den anderen Angehörigen die Alarmglocken, und diese versuchen, den lebensbedrohlichen Tatbestand abzustellen, nachdem: im Kampf versus der Vormachtstellung der Natur wird jedes Gruppenmitglied benötigt und der Fortfall eines Artgenossen zehrt die Schar.

Bedauern scheint wie Beklommenheit, eine archaisches Stimmungslage zu sein, die im ältesten Konstituens des Gehirns auftritt, mithin im limbischen System, das instinktmäßige Reaktionsmuster auslöst. Haben wir Angstgefühle, dann wollen wir wegrennen. Überwältigt uns Bedauern, dann wollen wir hingehen, etwas Taugliches dagegen machen.

Der Erdenbürger ist als soziales Wesen auf seine Artgenossen dependent. Allein mag er selten fortbestehen. Mitleid hilft, Notlagen und Angriffe in der Schar zu verwinden. Das gilt bis heute. Mit der Evolution hat aufgrund dessen jede Gesellschaftsstruktur ein Ordnungsprinzip der Nothilfe ausgetüftelt... aus aus reiner Selbsterhaltung, nachdem jeder einmal in Ausweglosigkeit geraten mag.