Thu07272017

Last updateWed, 10 Feb 2016 12am

Geringer Erfahrungsschatz von Vorschulkindern

Die Weltanschauung des Vorschulkindes unterscheidet sich bedeutsam von dem Weltbegreifen des Erwachsenen. Das Kind hat einen geringen Erfahrungsschatz und kann bislang nicht kohärent denken. Als alleinigen Wechselbeziehungspunkt hat es sich selbst, seine Wünsche, Gefühle und Erfahrungen;

die Dinge aus Entfernung sehen, sie unbefangen feststellen, kann es noch nicht. Also nimmt es an, daß solche mit denselben Merkmalen und Tauglichkeiten versehen sind wie es selbst (Egozentrismus).

Die leblose Welt wird menschlich gemacht, sie ist nichts vom Menschen Losgelöstes. Anstoß und Wirkung mögen in ihrer Korrelation noch keineswegs gesehen werden (mangelndes Kausalempfinden). Auf die Anfrage 'warum?' gibt es für das kleine Kind allein die Vollziehung einer Perspektive (Finalismus).

Alles hat seine vollständig bestimmte Aufgabe in der Weltanschauung des Kindes. Das Denken des Kindes ist transzendent. Vorkommnisse werden vermöge geheimer Kräfte und höherer Mächte herbeigeführt. Demnach entsteht eine Weltauffassung glaubend an die metaphysischen Gestalten der Kinderstube und der Märchengeschichten.

Das Denken ist außerdem prälogisch und rezeptionsgebunden. Es kann keinesfalls hergeleitet und induziert, und ein Ablauf mag nicht als reversibel vorgestellt, werden. Das Bewusstsein für Modifikationen fehlt oft bzw. die Bewertung von Variationen ist allein an die Wahrnehmung gebunden. Egozentrismus und Anthropomorphismus entfachen eine starke gefühlsmäßige Besetzung der Umwelt.

Bestätigende und widrige Gefühle und Erlebnisse verbinden sich mit Menschen, Objekten und Orten, welche lediglich akzidentellen Wechselbeziehung mit den Geschehnissen haben (physiognomische Auffassung der Umgebung). Affektive Programmierungen in diesem Lebensalter mögen die Grundhaltung des Kindes zu seiner Umgebung bedeutsam verändern.

Der Gipfelpunkt der kleinkindhaften Weltauffassung fällt ins 4. Altersjahr und wird dann schrittweise abgebaut. Der maßgebliche Abschnitt zur Degression der magischen Weltanschauung ist die Kenntniserlangung der Prämisse der Eigenbewegung alles Lebendigen.

Unbelebten Dingen werden nunmehr keine menschlichen Kennzeichen mehr zugeschrieben, das Denken wird immerzu realistischer. Etwa Ende der Vorschulzeit beginnen sich Praxis und Denken gemeinsam zu koinzidieren und die Generalisierung von Einzelerfahrungen wird möglich.