Wed10172018

Last updateWed, 10 Feb 2016 12am

Sozialschicht und Hintergrundbedürfnisse des Kindes-Schule

Der Wechsel von der überwiegend heteronomen zur stärker selbstbestimmten Motivierung vollzieht sich erst einmal bei dem Übergang des Schulkindes zum elementaren Wirklichkeitssinn. Der Übergang findet bei Mittel- wie noch Oberschichtnachwuchs und bei Mädchen eher statt wie bei Unterschichtnachwuchs und Jungen.

Mit dem Lebensalter nimmt ebenso die Zeitauslegung zu: Man kann sich dieserfalls nicht mehr lediglich über Tage, sondern bereits über einige wenige Wochen hin an einem Projekt beschäftigen. Die gedeihende Independenz von umgehender Belohnung ist nicht alleinig vom Lebensalter, sondern genauso von der Sozialschicht und von der Auffassungsgabe bedingt.

Eine bedeutende Folge auf die Schulleistungsabgabe hat weiters die Arbeitshaltung, umfängliche Aufmerksamkeit, Zähigkeit, Aufgabenbereitschaft, bewusste Steuerung et cetera. Auch ihre Entfaltung ist in hohem Mass von Umgebungseinflüssen dependent; Entwicklungssvorgänge im Denkorgan gestalten die biologischen Vorbedingungen. Störungen der Arbeitshaltung findet man in erster Linie bei Nachwuchs aus suboptimalem Milieu ebenso wie bei hirngeschädigten Kinder.

Drei Hintergrundbedürfnisse des Kindes müssen anhand der Schule saturiert werden, nämlich das Bedürfnis nach angemessenem Unterricht, nach Aufnahme in der Gruppierung und nach der Einbeziehung in die Welt der Ausgewachsenen. Eine ausgesprochen wichtige Aufgabe der Schule ist die Weiterentwicklung der Stützfunktionalitäten der Intelligenz durch methodischer Ermunterung bei schlechter Arbeitshaltung sowie vermittels Stimulus einer zielorientierten Leistungsmotivierung.

Diverse schulische Tatsachen erschweren die vollkommene Förderung jedes einzelnen Kindes: Frontalausbildung, die Klassengröße, Mittelklasseausgerichtetheit wie auch die essentiell sprachliche Ausrichtung unserer Schulen formen eine unilaterale Förderung einiger Schülergruppen. Zuallererst die schwächeren, prekären Kinder aus der Unterschicht erfahren auf diese Art mangelnde Sorgfalt.

Die unilaterale Akzentuierung des Leistungsprinzips, welche sich im obrigkeitlichen Führungsstil und in der sozialen Benachteiligung des schlechten Schülers manifestiert, verschlimmert  der geringer starken Schüler. Sie werden oft in eine Außenseiterlage geschoben, aus der sie selten mehr heraus kommen: Circulus vitiosus negativer Erwartung, schwacher Leistung, geringer Zuspruch.